Dr. Florian Toncar Gastbeitrag
Parl. Geschäftsführer
Finanzpolitischer Sprecher
Finanzausschuss
Tel: 030-227 74411

TONCAR-Gastbeitrag: Entwickeln wir die Steuererklärung zur Easy Tax

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion Dr. Florian Toncar schrieb für „Focus Online“ den folgenden Gastbeitrag:

Deutschlands Steuersystem krankt nicht nur an der hohen Steuerlast gerade im mittleren Einkommensbereich, sondern auch an seiner Komplexität. Viele Ausgaben lassen sich absetzen, wodurch die Steuerlast gemindert wird. Das bedeutet jedoch für die Bürger vor allem eines: Belege sammeln und sortieren.

Spendenbescheinigungen, Rechnungen für Handwerker oder Fachbücher, Nachweise für Kinderbetreuungskosten – der Aufwand für diejenigen, die alle Möglichkeiten des Steuersparens nutzen wollen, wächst schnell. Manchem wird der Aufwand zu viel, manche Belege werden verlegt, und in der Folge zahlt der Bürger mehr Steuern als er müsste.

Dabei sollte es eigentlich andersherum sein: Die Bürger haben einen Anspruch darauf, die Möglichkeiten zur Steuerersparnis zu nutzen, die der Gesetzgeber vorsieht. Dass man nicht mehr Steuern zahlt als man muss, sollte die Regel sein und dem Bürger so einfach wie möglich gemacht werden. Das Ziel muss es sein, dass zumindest für Arbeitnehmer und Rentner jederzeit eine vollständige und korrekt ausgefüllte Steuererklärung digital bereit liegt, die der Steuerzahler nur noch bestätigen muss.

Die Ansätze dafür sind da: Die vorausgefüllte Steuererklärung über „Mein Elster“ berücksichtigt bereits einige Daten von Behörden und Dritten, beispielsweise Lohnersatzleistungen, Renten, Lohnsteuerbescheinigungen oder Beitragsdaten von Kranken- und Pflegeversicherungen. Dieses System muss zu einem umfassenden digitalen Service der Finanzverwaltung für den Steuerzahler ausgebaut werden – der Easy Tax.

Dazu müssen zunächst wirklich alle dem Finanzamt zur Verfügung stehenden Daten berücksichtigt werden, so etwa künftig auch die gezahlte Kirchensteuer. Die meiste Arbeit bei der Erstellung der Einkommensteuererklärung macht jedoch die Angabe derjenigen Daten, die der Steuerpflichtige freiwillig mitteilen kann: Diese Daten müssen selbstständig eingetragen werden und die dafür notwendigen Belege müssen vorgehalten und dem richtigen Feld in der Steuererklärung zugeordnet werden.

Abhilfe kann hier eine App schaffen, die es dem Steuerpflichtigen erlaubt, Belege und steuerrelevante Informationen in einfacher Weise in einen digitalen Speicher hochzuladen und am Ende eines Kalenderjahres gesammelt an die Finanzverwaltung zu übermitteln.

Belege über haushaltsnahe Dienstleistungen oder Kinderbetreuung, Handwerkerrechnungen, Spendenbescheinigungen und andere steuerrelevante Belege und Informationen könnten so ebenso automatisiert verarbeitet werden wie die jetzt schon im Rahmen der vorausgefüllten Steuererklärung vorliegenden Daten. Nutzt der Steuerpflichtige diesen Übertragungsweg, so muss er grundsätzlich innerhalb von 48 Stunden den automatisch erstellten Steuerbescheid erhalten.

Die Nutzung einer solchen App muss selbstverständlich freiwillig bleiben und die Übertragung sowie Speicherung der Daten muss nach dem aktuellen Stand der Technik verschlüsselt erfolgen.

Die Digitalisierung bietet uns viele Möglichkeiten, das Leben zu vereinfachen, auch und gerade in Angelegenheiten der öffentlichen Verwaltung. Die Bürger haben einen Anspruch darauf, dass der Staat nicht nur ihren Geldbeutel, sondern auch ihre Lebenszeit nicht über Gebühr in Anspruch nimmt. Daher müssen wir auch bei der Steuererklärung das volle Potenzial der Digitalisierung ausschöpfen: Entwickeln wir die vorausgefüllte Steuererklärung weiter zur Easy Tax!

Weitere Meldungen

Immer informiert - unser Presseverteiler

Jetzt anmelden

Mit unserem Newsletter bleiben Sie informiert