Katja Suding Gastbeitrag

SUDING-Gastbeitrag: Ein Digitalpakt 2.0 ist überfällig

Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Katja Suding schrieb für den „Tagesspiegel“ (Dienstagsausgabe) den folgenden Gastbeitrag:

In vielen Bundesländern enden in den kommenden Wochen die Sommerferien. Gleichzeitig sind viele Eltern und ihre Kinder besorgt um regionales Aufflammen von Corona-Fällen oder gar einer zweiten Welle. Es stellt sich die Frage: Wie kann Unterricht in diesen unbestimmten Zeiten aussehen?

Diese Frage ist für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft von immenser Bedeutung. Der Staat muss jeder und jedem Einzelnen den Zugang zu Bildung ermöglichen – zu jeder Zeit. Weltbeste Bildung ist der Schlüssel zu individuellen Lebenschancen. Nur sie ermöglicht es dem Einzelnen, das eigene Leben in Freiheit zu gestalten. Dass in Deutschland immer noch die soziale Herkunft über den Bildungserfolg und die persönlichen Verwirklichungschancen entscheidet, ist ein ernüchternder Befund. Dass der teilweise über Wochen ausgefallene Unterricht während der Coronakrise die Chancen vieler Schülerinnen und Schüler auf soziale Mobilität noch weiter reduziert hat, ist eine Blamage.

Die Coronakrise hat die Probleme unseres Bildungswesens wie unter einem Brennglas sichtbar gemacht. Das System Schule ist streckenweise krachend zusammengebrochen, das Recht auf Bildung konnte nicht eingelöst werden. Der Grund dafür: Es fehlen digitale Systeme und technische Geräte, um kurzfristig vom Präsenzunterricht auf das Lernen von zu Hause umzustellen. Nur dem Engagement tatkräftiger Lehrkräfte und nervenstarker Eltern ist es zu verdanken, dass zahlreiche Kinder trotz aller Widrigkeiten nicht noch viel mehr Lernstoff verpasst haben. Ein solches Unterrichtsdesaster dürfen wir nicht noch einmal zulassen. Nie wieder dürfen die Schülerinnen und Schüler die Leidtragenden verpasster Investitionen in die Digitalisierung der Schulen sein.

Zum Start in das neue Schuljahr müssen wir daher alles daran setzen, eine erneute Chancenkrise zu vermeiden – mit pandemie-festem Präsenzunterricht in den Schulen, aber eben auch mit einem lange überfälligen Turbo für die Digitalisierung des Unterrichts. Die Bemühungen der Bildungsministerin Anja Karliczek, in der Hochphase der Pandemie zusätzliche Mittel für digitale Bildung an die Schulen zu bekommen, waren ehrenwert, aber viel zu unambitioniert.

Schon vor einem Jahr haben wir Freie Demokraten deutlich gemacht, dass der Digitalpakt nicht ausreicht. Wie ein Mantra wiederholen wir seither: Ein Digitalpakt 2.0 ist überfällig. An den entscheidenden Stellen muss der Bund den Schulen und Schulträgern mehr unter die Arme greifen.

Erstens: Schulen brauchen dauerhaft Unterstützung bei der technischen Ausstattung und Wartung. Lehrkräfte können nicht gleichzeitig Pädagogen, Administratoren und Technikexperten sein.

Zweitens: Lehrkräfte müssen sich schon im Studium, vor allem aber im Beruf mit digitaler Bildung in Fort- und den Weiterbildungen vertraut machen – und zwar nachhaltig.

Drittens: Digitale Lernplattformen und -mittel müssen mit klaren Anforderungen gefördert werden. Anbieter müssen wissen, welche Richtlinien sie einhalten müssen, um ihre Dienste an Schulen anbieten zu können.

Viertens: Es muss klare rechtliche Vorgaben zum Datenschutz aus den Kultusministerien geben, zum Beispiel dafür, welche Dienste und Programme in Schulen unter welchen Voraussetzungen genutzt werden können. Bei Rückfragen müssen Ansprechpartner zur Verfügung stehen, die für Schulleitungen direkt erreichbar sind.

Fünftens: Für die Zukunft muss daran geforscht werden, wie Algorithmen diskriminierungsfrei das Lernverhalten der Kinder unterstützen können und wie KI sinnvoll und datenschutzkonform eingesetzt werden kann. Hier könnten wir noch innovativ und Vorreiter sein.

Bei aller Notwendigkeit zusätzlicher Investitionen brauchen Schulen und Schulträger vor allem zwei Dinge: Die Möglichkeit, die Investitionen auszuweiten, um in Fort- und Weiterbildungen für Lehrkräfte zu investieren sowie vereinfachte Antragsverfahren, die die Schulträger entlasten, zum Beispiel mit einer zentralen digitalen Plattform zur Beantragung der Gelder.

Bitte, liebe Bildungsministerin Anja Karliczek, wachen Sie endlich auf und stellen sie sich in den Dienst der Lebenschancen unserer Schülerinnen und Schüler. Bei mutigen und kreativen Lösungsansätzen für chancengerechte digitale Bildung unterstützen wir Sie gern. Es geht um die Zukunft vieler Generationen.

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