LAMBSDORFF-Interview: Es ist keine harmlose Grippe

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Graf Lambsdorff gab der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Dienstagsausgabe) und „rnz.de“ das folgende Interview. Die Fragen stellte Andreas Herholz:

Frage: Herr Graf Lambsdorff, Sie haben sich mit dem Corona-Virus infiziert, sind seit fast zwei Wochen in Quarantäne. Wie geht es Ihnen?

Lambsdorff: Ich bin auf dem Weg der Besserung, aber die Krankheit verläuft wellenförmig, es geht auf und ab. Anders als viele andere hatte ich Glück und musste bisher nicht ins Krankenhaus. Aber ich merke, dass es sich nicht um eine harmlose Grippe handelt, die nur ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen trifft.

Frage: Wie haben sie die Erkrankung bemerkt? Welche Symptome hatten Sie?

Lambsdorff: Ich hatte einige Zeit einen Schnupfen, nichts Schlimmes, dann kam ein bisschen Husten dazu. Als ich mitbekommen habe, dass ein völlig gesund aussehender Kollege positiv getestet wurde, mein Husten stärker wurde und leichtes Halsweh hinzukam, habe ich mich testen lassen. Die Symptome sind wenig spektakulär, genau das erleichtert dem Virus die Ausbreitung.

Frage: Wie stellen Sie Ihre Versorgung sicher?

Lambsdorff: Meine Nachbarn haben freundlicherweise angeboten, für mich einzukaufen. Ich bin dankbar, dass vielerorts jüngere Menschen unkompliziert ihre Hilfe anbieten, um für andere einzukaufen, die nicht raus können, weil sie krank oder in Quarantäne sind oder zu einer besonders gefährdeten Gruppe gehören. Wir brauchen jetzt gute Nachbarschaft.

Frage: Wie gehen Sie mit der Krankheit um? Wie wirkt sich das auf die Stimmung und die Psyche aus?

Lambsdorff: Zunächst erschrickt man sich natürlich, wenn der Anruf kommt, dass der Test positiv ist, denn man kennt die Krankheit natürlich nicht, der Virus ist ja neu. Für Panik ist jetzt aber der falsche Zeitpunkt. Ich habe mich strikt an die Quarantäne gehalten, was natürlich nicht immer ganz einfach ist. Glücklicherweise gibt es FaceTime, WhatsApp und Videokonferenzen, um mit Kollegen, Freunden und der Familie Kontakt zu halten. Das hilft sehr.

Frage: Sie arbeiten von Zuhause aus. Wie sieht der Politiker-Alltag in der Corona-Quarantäne aus?

Lambsdorff: Die Freien Demokraten arbeiten schon seit Anfang der Legislaturperiode 2017 fast durchgehend digital. Das ist jetzt ein großer Vorteil, denn wir müssen nicht so viele Prozesse neu aufsetzen und erlernen. Inhaltlich konzentrieren wir uns voll darauf, die Arbeit der Regierung aus der Opposition heraus konstruktiv zu begleiten. Dabei achten wir besonders darauf, dass im Hilfspaket die mittleren Unternehmen nicht vergessen werden und dass die notwendigen Freiheitseinschränkungen mit Augenmaß und in jedem Fall befristet erfolgen.

Frage: Droht jetzt auch der „Shutdown“ des Bundestages? Wird das Parlament lahmgelegt?

Lambsdorff: Nein, der Bundestag ist arbeitsfähig. Die Abgeordneten halten sich an die Regeln für den Mindestabstand. Abstimmungen finden so statt, dass nicht alle geleichzeitig im Plenum sind. Referenten und Mitarbeiter sollen möglichst von zu Hause aus arbeiten. Momentan beraten wir nur Initiativen, die unmittelbar für die Eindämmung der Krise notwendig sind oder, so wie die Ergänzung des Bundeswehrmandats für den Anti-Terror-Kampf in Jordanien, nicht verschoben werden können.

Frage: Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ebenfalls in Quarantäne, weil sie Kontakt mit ihrem Arzt hatte, der mit Corona infiziert wurde. Haben Sie Tipps für die Kanzlerin?

Lambsdorff: Zunächst einmal wünsche ich Frau Merkel sehr, dass sie weiterhin gesund bleibt. Sie ist ja in vorsorglicher Isolation und derzeit negativ getestet. Sie muss in dieser Woche mit dem Bundeskabinett die Maßnahmen vorschlagen, über die der Bundestag am Mittwoch abstimmt, damit die Behörden schnelle medizinische und wirtschaftliche Hilfe leisten können. Mir helfen ein geregelter Tagesablauf, Anrufe von Freunden und Familie und die Möglichkeit, sich zu Sitzungen digital einzuwählen. So kann die Quarantäne gut überstanden werden. Bei der Bundeskanzlerin bin ich sicher, dass sie gut beschäftigt sein wird und wenig Zeit hat, sich zu langweilen.

Frage: Haben Sie wie Merkel auch Hass und Hetze als Reaktion erlebt?

Lambsdorff: Nein. Mich haben viele freundliche Genesungswünsche per WhatsApp und SMS, aber auch auf Instagram, Facebook und Twitter erreicht. Mein Team berichtet mir, dass viele Menschen gute Wünsche ins Büro schicken. Und auch ich drücke allen Erkrankten die Daumen und wünsche gute Genesung.

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