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LAMBSDORFF-Interview: Schmusekurs mit Orbán ist inakzeptabel
Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Graf Lambsdorff gab dem Bonner „General-Anzeiger“ (Freitagsausgabe) das folgende Interview. Die Fragen stellte Detlef Drewes:
Frage: Herr Lambsdorff, der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán greift Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker scharf an. Was halten Sie davon?
Lambsdorff: Es handelt sich um mehr als um Angriffe. Man muss sich diese Plakate mal ansehen. Das ist eine in schlimmster ,Stürmer‘-Mentalität gestaltete Diffamierungskampagne gegen Juncker und George Soros. Jetzt ist endgültig klar, dass die europäischen Christdemokraten den Schnitt machen und Orbáns Fidesz-Partei rauswerfen müssen. Das hat mit legitimer politischer Auseinandersetzung nichts mehr zu tun. Hier handelt es sich um eine kaum noch verschleierte antisemitische Hetzkampagne.
Frage: Manfred Weber hält bisher seine Hand über die Fidesz-Partei. Ist das seine Achillesferse?
Lambsdorff: Manfred Weber trägt eine politische Last mit sich herum, die er dringend abwerfen sollte. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz ist Weber vor internationalem Publikum offen dazu aufgefordert worden, diese Frage endlich zu klären. Einer der Redner sagte unmissverständlich, dass man die Kandidatur Webers zwar begrüße, sein Schmusekurs mit Orbán für Demokraten aber absolut inakzeptabel sei. So sehe ich das auch. Es gibt jetzt keine Entschuldigung mehr.
Frage: Glauben Sie, dass sich Orbán von einem Ausschluss seiner Fidesz-Partei aus der christdemokratischen Familie beeindrucken lassen würde?
Lambsdorff: Ehrlich gesagt ist mir das egal. In der Politik muss man manchmal Schlussstriche ziehen. Wir Liberale haben das vor vielen Jahren mit Jörg Haider und der österreichischen FPÖ gemacht. Und wir haben uns gerade erst von den katalanischen Separatisten um den ehemaligen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont getrennt. Das sind Signale, die nötig sind.