KUBICKI-Gastbeitrag: Wer Menschen ihre Freiheit nimmt, nimmt ihnen ihre Mündigkeit
Das FDP-Fraktionsvorstandsmitglied Wolfgang Kubicki schrieb für die „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Mittwochsausgabe) den folgenden Gastbeitrag:
Es scheint eine Lebensaufgabe grün bewegter Mensche sein, jeden Winkel unserer freien Lebensgestaltung im Sinne ihrer Vorstellungen zu regulieren. Neben den Erkenntnissen, dass Schokolade dick macht, der Verzehr also ernährungswissenschaftlich verwerflich sei und Werbung für Süßes verboten werden sollte, ist das Tempolimit der eigentliche grüne Verbotsklassiker.
Das jüngst vom grünen Ex-Chef Cem Özdemir vorgebrachte Argument, in anderen Ländern begrenze man die Höchstgeschwindigkeit schließlich auch, ist in Wahrheit keines. Denn würde es darum gehen, nicht als politischer Geisterfahrer in der Welt zu enden, müssten wir von den grünen Plänen Abstand nehmen, in der Umwelt- oder in der Flüchtlingspolitik globaler Vorreiter zu sein. Wer aber ein Argument beliebig verändert, damit es in die eigene politische Agenda passt, handelt scheinheilig. Moralische Überlegenheit und Scheinheiligkeit wohnen Tür an Tür. Für das vergangene Jahr diagnostizierte der ADAC etwa 458.000 Staustunden in Deutschland. In jedem der durchschnittlich 2.000 Staus pro Tag werden sinnlos C02 und Feinstaub in die Luft geblasen. Es wäre deutlich zielführender, wenn wir zunächst diesen Stillstand vermeiden könnten, als uns darüber Gedanken zu machen, wie wir noch langsamer ans Ziel kommen als derzeit.
Es spricht nichts dagegen, an einem schönen Tag bei freier Strecke 160 km/h zu fahren. Es ist ein Symbol der Freiheit in unserem Land. Natürlich ist die persönliche Freiheit niemals grenzenlos. Freiheit und Verantwortung gehören schließlich zusammen. Wer Menschen aber ihre Freiheit nimmt, weil er ihnen die Verantwortung nicht zutraut, nimmt ihnen zugleich ihre Mündigkeit.