KUBICKI-Gastbeitrag: Den Anstieg der Weltbevölkerung drosseln

Das FDP-Fraktionsvorstandsmitglied Wolfgang Kubicki schrieb für die „Welt“ (Dienstagsausgabe) den folgenden Gastbeitrag:

Der chinesische Philosoph Laotse war ein weiser Mann. Sein weithin bekannter Sinnspruch „Auch der längste Marsch beginnt mit dem ersten Schritt“ kann heute noch problemlos für den Bereich der Umwelt- und Klimapolitik herangezogen werden. Es stimmt ja, dass wir keine globalen Fortschritte in diesen Bereichen erreichen, wenn wir in Deutschland beziehungsweise in der Europäischen Union selbst nicht bereit sind, über sinnvolle und fortschrittliche Maßnahmen zu streiten und dann beherzte Schritte nach vorne zu gehen.

Es gibt viele sinnvolle, aber mindestens genauso viele sinnlose Ideen zur Rettung der Welt. Eine Bepreisung von CO2 ist zweifelsohne ein zukunftsweisender Vorschlag. Ob aber eine Maßnahme wie das EU-weite Strohhalmverbot ab 2021 als umweltpolitisches Vorbild für die aufstrebenden Entwicklungsländer angesehen wird, darf angezweifelt werden. In Laotses Heimat China fließen drei der vier plastikreichsten Flüsse der Erde. Durch asiatische Flüsse strömen etwa 86 Prozent des Plastiks, das in den Weltmeeren landet. Und es gehört zur Wahrheit dazu: Ein kleiner Teil dieses Mülls stammt auch aus deutschen Landen, weil wir jahrelang Tonnen unseres Abfalls vor allem im Reich der Mitte abgeladen haben. Deshalb ist es natürlich nicht verboten, wenn wir uns in einer hysterischen Selbstkasteiung als Hauptschuldige der grausamen Tode von Fischen und Meeressäugern durch Plastiktüten definieren. Diese Emotion löst jedoch das globale Problem nicht. Vielmehr müssen wir uns gemeinsam insbesondere mit asiatischen und afrikanischen Staaten darum bemühen, das globale Abfallmanagement so gut und so schnell wie möglich zu professionalisieren, damit möglichst kein Plastikmüll mehr im Wasser landet. Ohne eine solche Zusammenarbeit geht es nicht.

Abgesehen davon können wir uns alle nationalen und EU-weiten umwelt- und klimapolitischen Maßnahmen sparen, wenn es uns nicht gelingt, das Wachstum der Weltbevölkerung nachhaltig zu begrenzen. Sollte die UN-Prognose stimmen, dass wir bis zum Jahre 2100 deutlich über elf Milliarden Menschen auf der Erde haben – derzeit sind es etwa 7,7 Milliarden verfehlen wir zwangsläufig sämtliche Pläne zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes. Denn mit jedem zusätzlichen Menschen steigt der Bedarf nach Essen, Wohnraum, Elektrizität, Mobilität und Kommunikation. Verschärfend kommt hinzu, dass damit selbstverständlich auch der Migrationsdruck deutlich zunimmt, weil die größten Bevölkerungszuwächse in der Regel in den ärmsten Gebieten zu verzeichnen sind. Die Forderung von „Fridays for Future“ nach einer Enthaltsamkeit bei Flugreisen wird bei einem ungebremsten Bevölkerungsanstieg eines der kleineren Probleme sein. Bereits heute hat das Internet einen größeren CXT-Fußabdruck als der gesamte Flugverkehr – Tendenz steigend. Es ist vielsagend, dass die Schülerinnen und Schüler das CO-Einsparpotenzial der digitalen Kommunikation gar nicht benannt haben.

Kommen wir zurück auf Laotses Sinnspruch, so müssen wir feststellen, dass der erste globale Schritt zum langen Marsch in Richtung Klimarettung die Einberufung einer Weltbevölkerungskonferenz sein muss. Ziel muss es sein, den Anstieg der Weltbevölkerung zu drosseln, um erst einmal in die Reichweite der Pariser Klimabeschlüsse zu kommen, den globalen Temperaturanstieg auf unter zwei Grad Celsius zu halten. Selbstverständlich kann dies nicht die einzige klimapolitische Maßnahme sein. Aber wenn wir die Kontrolle über dieses Problem nicht erlangen, werden wir definitiv scheitern.

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